Weisses Buch von Sarnen

Das Staatsarchiv Obwalden verwahrt in seinen Beständen das sogenannte «Weisse Buch von Sarnen». Dieser Band wurde um 1470 vom Obwaldner Landschreiber Hans Schriber verfasst.

Der Name des «Weissen Buches» könnte von seinem weiss-bräunlichen Einband herrühren, wohl eher aber von der Absicht, mit diesem Buch zu unterweisen, nämlich über Rechtsverhältnisse (erster Teil) und mythisch-historische Ereignisse (zweiter Teil). Der erste Teil umfasst ca. 350 Seiten und enthält Abschriften von Urkunden, die für das Land Obwalden wichtig waren.

Der zweite Teil erzählt vor allem vom altehrwürdigen Herkommen (Abstammung) der Urner, Schwyzer und Unterwaldner von den Römern und Schweden, von der Unterdrückung der drei Länder durch habsburgische Vögte, von der Begründung eines Widerstandsbundes durch die drei Länder auf dem Rütli, von der Vertreibung der habsburgischen Vögte, von der Zerstörung von deren Burgen und von der allmählichen Entstehung der achtörtigen Eidgenossenschaft.

Dieser zweite Teil macht die eigentliche historische Bedeutung des Weissen Buches aus. Er enthält nämlich die erste zusammenhängende Darstellung des Befreiungsgeschehens als Gründungsmythos der schweizerischen Eidgenossenschaft, der über die Chronisten Aegidius Tschudi und Johannes von Müller sowie Friedrich Schillers Wilhelm Tell weltberühmt wurde. Dieser Mythos hat das Schweizerische Geschichtsbewusstsein bis ins 20. Jahrhundert nachdrücklich bestimmt. 

Faksimile

Das Weisse Buch von Sarnen wurde 2012 im Rahmen des Projekts e-codices (Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz, Universität Freiburg) digitalisiert und kann im Internet konsultiert werden.
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